Artefakte

Auf dieser Seite haben wir Erinnerungen an Lukas eingestellt. Dinge, die er mochte und liebte...

1. "Urban Exploring"


Lukas war Teil einer internationalen Bewegung, die sich "Urban Exporer" nennt. Er liebte es, in leerstehende Bürogebäude und Kasernen einzudringen, die geisterhafte Stille zu genießen und den morbiden Verfall zu fotografieren. Dabei hielt Lukas sich (fast immer) an die allgemein gültigen Explorer-Regeln: Nichts beschädigen, nichts verändern und nichts mitnehmen. Oft ärgerte er sich über andere Jugendliche, die die leerstehenden Gebäude verschandelten oder dort Party feierten. Oft traf er unerwartet dort auf zwielichtige Gestalten, die dort hausten. Und stets ärgerte er sich, wenn das Geisterhaus vom Abriss bedroht war und schimpfte über die in den Startlöchern stehenden Investoren. Warum könne man diese Bauten mit ihrem morbiden Charme nicht einfach so lassen wie sie sind, fragte er sich oft. Daß Urban Exploring eigentlich nur funktionierte, wenn man fortgesetzten Hausfriedensbruch begehe, war ihm egal. So manches Mal musste sein Vater ihm aus der Klemme helfen, wenn er von Sicherheitspersonal oder Polizei aufgegriffen wurde. Aber so manches Mal half er ihm auch mit der "Räuberleiter", um hineinzukommen...


Lukas Talent für Fotografie und Video zeigte sich in seiner Dokumentation über die leerstehende Oberfinanzdirektion in Frankfurt, wie man im beigefügten Youtube-Video sehen kann, das er als "UrbexerFrankfurt" produzierte. Leider blieb es nur bei diesem einen Film:

2. Lukas und die Tiere 


Lukas und die Tiere: Das war immer schon ein besonderes Verhältnis. Schon als kleines Kind war Lukas immer gut zu Tieren, beschäftigte sich ausgiebig mit ihnen und rettete oft Insekten, wenn sie sich in die Wohnung verirrten. Sogar beim Gang auf dem Bürgersteig konnte es passieren, dass er einen zur Seite schubste, wenn man Gefahr lief, eine Ameise zu zertreten. Als wir ihn als ca. 10-Jährigen einmal fragten, welches Tier er denn eklig fände und nicht mag, sagte er: Keines, wirklich keines. Als Beweis dafür, brachte er nach einem Tauchgang in Cannes eine Seegurke mit nach oben und schmuste mit ihr. 

Dies führte dazu, dass er sich mit 5 Jahren zum „Halbvegetarier“ erklärte und später zum Vegetarier. Aus Liebe zu den Tieren. Das war umso erstaunlicher, weil es kein Vorbild dafür in der Familie gab. Erst später, mit ca. 19 Jahren begann er wieder, allmählich Fleisch zu essen.

An manchen Samstagen gingen wir in die Kleinmarkthalle, um dort Speisefische lebend zu besorgen. Wir kauften welche, ließen sie in Plastiktüten füllen und rannten dann zum Main, um sie zu befreien. Doch Lukas musste mehrfach mit ansehen, wie der Fischverkäufer vor uns Fische einfing und totschlug. Dies erzürnte ihn derartig, dass er Tränen in den Augen hatte. Heimlich schlich er sich während des Bezahlvorgangs hinter den Fischverkäufer und nahm ihm sämtliche Knüppel weg. Diese entsorgte er dann wütend oben in einem Mülleimer. Der Fischverkäufer war verwirrt und suchte und suchte. Erst nach langem Zureden war er bereit, uns die Holzstangen wieder auszuhändigen.

Auch als junger Mann war Lukas immer noch ein Tierliebhaber, dies schien ihn zu entspannen und zauberte ihm ein ganz besonders Lächeln auf die Lippen. Lukas liebte besonders Katzen. Als er im Juli 2024 zu seinem Vater zog, fragte er, ob er vielleicht eine Katze haben könnte. Das wurde ihm in Aussicht gestellt. Dies waren die letzten Worte von Lukas. Wie gerne hätten wir ihm diesen Gefallen noch getan…

Etwa Mai 2024 entstand dieses kurze Video mit Leonhards Hund "Susi" am Düsseldorfer Rheinufer. Wie auch auf dem nächsten Video zeigte sich Lukas'  totale und unverwechselbare Hingabe in der Beschäftigung mit einem Tier... 

Einige Zeit nach Lukas' Tod reiste Bruder Leonhard zurück nach Düsseldorf und brachte Lukas' Rucksack mit. Die kleine Susi empfand die tiefe Verbindung zu Lukas und kuschelte sich anschließend in seinen Rucksack. Irgendwie magisch.

3. Lukas als Designer


Lukas wollte unbedingt Industriedesign studieren, so wie sein Vater. Das war ihm nicht auszureden. Später änderte er sein angepeiltes Studienfach aufgrund der geringen Jobchancen in diesem Beruf auf Inneneinrichtung. Lukas ließ durchaus Talent beim Zeichnen erkennen. Insbesondere interessierte er sich für Automobildesign. Später trainierten wir ihn in bestimmten Zeichentechniken. Doch der Ehrgeiz nahm ab. Lukas stand sich mit seinen Depressionen selber im Weg und war nicht mehr fokussiert. Immer wieder unternahmen wir neue Anläufe, ihn bei verschiedenen FHs einzuschreiben und mit dem Studium zu beginnen. Lukas hatte zu wenig Kraft, das Studium zu starten. Im Juli 2024 wollten wir einen neuen Anlauf nehmen, zunächst mit einem studienbegleitenden Praktikum. Dazu kam es dann leider nicht mehr. 

4. Lukas und die Parfums 


Lukas liebte Parfums. Wenn man mit ihm durch eine Parfümerie ging oder wenn man ihm ein neues Flacon mitbrachte, erhellte sich sofort seine Stimmung. Es schien, als ob sich in ihm dann eine neue Welt öffnete. 


Ansonsten machte Lukas sich überhaupt nichts aus Luxusgütern. Er trug keine Uhr, er mochte keine auffälligen Marken auf seinen Klamotten und er legte auch ansonsten keinen Wert auf Prestige. Sich selbst nannte er einen Puristen. 


Sein letztes Parfum war diese Flasche von JOOP!...


5. Lukas´Musik: "Foster the People" und "Schiller"


Diese beiden Musikgruppen mochte Lukas sehr.

"Foster the People" . Diese aus Californien stammende Elektro-Pop-Band ist bekannt für ihren auffälligen Upbeat Rhythmus. Die eher heiter daherkommende Indie-Pop-Melodie wird meist unterlegt mit sehr schwermütigen Texten, bei denen es oft um sozial isolierte, psychotische Jugendliche geht. War es das, worin sich Lukas wiederfand?


"Schiller" ist der Künstlername von Christopher von Deylen, einem norddeutschen Komponisten, Musikproduzenten und DJ. Unter seinem Künstlernamen Schiller hat er zahlreiche Nummer 1 Alben veröffentlicht. Schiller beeindruckt seine Fans durch Klanginstallationen, die sehr an Jean-Michel Jarre erinnern. 2016 besuchte Lukas mit seinem Vater das Konzert von Schiller in der Frankfurter Festhalle.

6. Lukas und die Basteleien am E-Roller